Fachtagung „Innerfamiliäre sexuelle Grenzüberschreitungen/sexualisierte Gewalt“ am 10. September 2018 an der Hochschule Merseburg

Aus der Vorabinfo der Hochschule:
„Den höchsten Anteil an sexualisierter Gewalt stellt das sexuell übergriffige Verhalten im familiären Kontext dar. Für Außenstehende sind diese Familienstrukturen durch die bestehenden Geheimhaltungsmechanismen schwer einsehbar (inzestuöse Familienbeziehungen). Die Wahrnehmung schwieriger familiärer Entwicklungen, von Grenzüberschreitungen, Kindeswohlgefährdungen durch innerfamiliäre sexualisierte Gewalt ist hierdurch erschwert.“

Weitere Informationen zur Fachtagung in Merseburg finden Sie auf dem Flyer der Fachtagung.

Zum 80. Geburtstag von Kurt Starke: Weder Kinsey noch Freud – wir hatten unsere eigenen Maßstäbe

Weder Kinsey noch Freud – wir hatten unsere eigenen Maßstäbe

Eigentlich leitete Kurt Starke im Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig (ZIJ), dem er von 1967 – 1990 angehörte, die Abteilung Studentenforschung und konzipierte mit seinem Team mehrere große Studien zur Persönlichkeitsentwicklung von Hochschulstudierenden. Sein Lebensthema fand er jedoch schon früh in der Erforschung der Sexualität und Partnerschaft Jugendlicher und Erwachsener. Die 1972 von ihm konzipierten PARTNER-Studien wurden 1980, 1990 und zuletzt im Jahre 2013 erneut durchgeführt und liefern ein beeindruckendes Monitoring sexualkultureller Entwicklung in den Jahrzehnten der sexuellen Liberalisierung.

Die Liste seiner empirischen Forschungen hat Kinsey´sche Dimension, es sind mehr als 40 zumeist quantifizierende Fragebogenstudien, darunter allein 25 zu Liebe und Partnerschaft, Hetero- und Homosexualität, zu Familienplanung, HIV & Aids, Pornografie… Obwohl die amerikanischen Studien in gewisser Weise Vorbild in der Erforschung „normaler“ Sexualität waren, beschritt Kurt Starke bei der Konzipierung der empirischen Sexualforschung in der DDR eigene Wege. Bei Kinsey kam die Liebe nicht vor, im Denken von Starke hingegen waren sexuelles Verhalten und Erleben, Liebe und Lust miteinander verbunden, gehörten Sexualität und Partnerschaft zur Gesamtpersönlichkeit. Und diese wiederum galt es unter konkreten gesellschaftlichen Bedingungen zu erforschen.

In seinem ersten populärwissenschaftlichen Bestseller „Junge Partner“ widmete sich Starke einer Frage, die in der Frühphase der sexuellen Liberalisierung häufig gestellt wurde: Wie ist das, wenn man 15, 16, 17 Jahre ist, noch zur Schule geht, und in diesem Alter schon eine Liebesbeziehung hat? Stört sie beim Lernen, beeinträchtigt Sex den Lernerfolg? Die Befunde von PARTNER I wurden zu einem empirischen Sieg über alle Bedenkenträger. Keine Angst vor frühen Liebesbeziehung einschließlich Sexualität – das war die finale Botschaft. Im Gegenteil: Der Elan der ersten Liebe erwies sich als förderlich für das Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung. Wissenschaftlich hieß das: Die Paargruppe im Jugendalter ist eine wichtige Sozialisationsinstanz. Auch das Studieren mit Kind wurde empirisch legitimiert und konnte sich fortan gesellschaftlich durchsetzen.

Kurt Starke unterstützte mit seinen Erkenntnissen reale Emanzipationsprozesse, ohne zu übersehen, dass die Befunde auch theoretisch bedeutsam waren. Sie widerlegten z. B. die Freud´sche Sublimationsthese, wonach es ein partielles Aufsparen sexueller „Triebe“ braucht, um Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen. Freud wurde in dieser Hinsicht beiseitegelegt.

Im Gegensatz zu manch anderen Sexualforschern war und ist Kurt Starke alles andere als medienscheu: vom MDR (Riverboot) bis VOX (Wa(h)re Liebe), vom Boulevard (Der Orgasmus-Professor spinnt/ BILD 1990) bis zur Tageszeitung neues deutschland (Beiträge zu FKK oder #MeToo in jüngster Zeit). Ihm gelingt es, streitbare Themen mutig anzusprechen, das vermarktungsaffine Thema Sexualität wissenschaftlich zu versachlichen und (wenn nötig), schlüpfrige Journalistenfragen humorvoll zu kontern. Viele sexualwissenschaftliche Kolleg*innen hätte z.B. bei einer Überschrift: „So liebt der Sex-Papst der Ex-DDR“ (Super Illu vom 11.10.1990) die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Kurt Starke antwortete auf die Journalistenfrage „Welche Stellungen bevorzugen Sie?“: „Ich kenne 722 Stellungen, z.B. aus der Erotikbibel Kamasutra. Aber ich praktiziere nur 18. Welche das sind, überlasse ich Ihrer Fantasie.“

1990 wurde Kurt Starke Gründungsvorsitzender der Gesellschaft für Sexualwissenschaft (GSW). Dieses Amt hatte er 10 Jahre lang inne. Die GSW der Gründerjahre vereinte eine kleine, aber interdisziplinäre Gruppe von Forscher*innen und  Praktiker*innen, die sich zu DDR-Zeiten in der Sektion Ehe und Familie der Gesellschaft für Sozialhygiene gefunden hatten.

In der GSW wurden u.a. wendebedingt abgewickelte Forschungen des ZIJ Leipzig fortgeführt, neue initiiert und eingebunden. Bis in die Gegenwart ist Kurt Starke aktiver Forscher, Publizist, Kolumnist, gefragter Interviewpartner und Experte für öffentliche Statements wie für vertrauliche Gutachten geblieben. Sein jüngstes Buch „Varianten der Sexualität. Studien in Ost- und Westdeutschland“ erschien 2017.

Prof. Dr. Kurt Starke ist seit 2003 Ehrenmitglied der GSW. Er wurde 1938 im sächsischen Königshain geboren und wird am 13. Mai 80 Jahre alt.

 

Konrad Weller

 

Sexualmedizin als Zusatzbezeichnung vom Ärztetag in Erfurt beschlossen

Am 11. Mai 2018 wurde auf dem 121. Ärztetag in Erfurt über 68 Zusatzbezeichnungen entsprechend Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) diskutiert und abgestimmt. Neben den über 30 Facharztrichtungen ist es aufgrund von Subspezialisierung mit entsprechend zusätzlich absolvierter Weiterbildung und Prüfung möglich Zusatzbezeichnungen (z.B. Notfallmedizin, Suchtmedizin) zu erlangen.

„Sechseinhalb Stunden dauerte die Debatte
Der Entscheidung vorausgegangen war eine sechseinhalbstündige Debatte, die in erster Linie Details der Zusatzweiterbildungen betraf. So sprachen sich die Delegierten zum Beispiel entgegen dem Vorschlag der Bundes­ärzte­kammer dafür aus, die Zusatz­bezeichnung Phlebologie beizubehalten und die Sexualmedizin als Zusatz­weiterbildung einzuführen.“

weiter online lesen unter: Das deutsche Ärzteblatt über die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung

hier die Begründung Sexualmedizin aufzunehmen (eine der nachfolgend genannten bisherigen 20 Absolventen ist unser GSW-Mitglied Frau Dr. C. Pohlink): Beschlussprotokoll der Bundesärztekammer zur (Muster-)Weiterbildungsordnung 

„ECHT KRASS!“ – Sexuelle Gewalt: Interaktiver Präventionsparcours in Dessau 02.05.2018 bis 11.05.2018

Unser GSW-Mitglied Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß empfiehlt: „Vom 02.05.2018 – 11.05.2018 wird an der Hochschule Anhalt in Dessau die Präventionsausstellung „ECHT KRASS!“  zusammen mit dem Mobilen Beratungszentrum „Sexualisierte Gewalt“ (MIBZ) präsentiert. Die Ausstellung leistet einen Beitrag zur Sensibilisierung und Prävention von sexueller Gewalt unter jungen Erwachsenen. Der interaktive Präventionsparcours soll eine Stärkung der sozialen Kompetenzen und eine Sensibilisierung der Jugendlichen erreichen. Er vermittelt Handlungsalternativen und Auswege aus der sexualisierten Gewalt. In den verschiedenen Stationen werden u.a. die Themen respektvolles Flirten und sexistische Werbung behandelt. Das Kommunizieren der eigenen Bedürfnisse wird gestärkt und auf Aspekte wie Gruppendruck und Hilfe bei sexuellen Grenzverletzungen eingegangen.

Es ist kein Zufall, dass der Zeitpunkt auf den zweiten Todestag der chinesischen Studentin Yangjie Li fällt. Das MIBZ beschäftigt sich seither mit der Frage: „Was können wir gemeinsam mit der Gesellschaft tun, um in Dessau präventiv einen Beitrag zur Verhinderung und Eindämmung sexualisierter Gewalt leisten zu können?“. Die von PETZE entwickelten Maßnahmen setzen hier an und sollen künftig für die Präventionsarbeit an Dessauer Schulen genutzt werden.

Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung wird am Montag, den 07.05.2018 um 19.00 Uhr Prof. Voss (Sexualwissenschaftler, Hochschule Merseburg) einen Fachvortrag zum Thema „Sexualität selbstbestimmen: Sexuelle Bildung und Prävention vor sexualisierter Gewalt im Kontext“ halten. Hierzu möchten wir Sie herzlich einladen. Die Ausstellung gastiert bis zum 11. Mai an der Hochschule – Seminarplatz 2 a. Interessierte sind herzlich zu einem Ausstellungsbesuch eingeladen.“

Medienkoffer Geschlechtervielfalt für Sachsen-Anhalts Grundschulen und Kindertagesstätten – Vorstellung des Koffers und der Materialien am 24.05.2018 an der Hochschule Merseburg

Aus der Einladung:

„Seit April 2018 gibt es für Kindertagesstätten und Grundschulen in Sachsen-Anhalt die Möglichkeit, sich kostenfrei einen Medienkoffer zu den Themenfeldern Geschlechtervielfalt und Rollenbilder auszuleihen. In den für die Kindertagesstätte und Grundschule unterschiedlich bestückten Medienkoffern sind Kinderbücher, Spiele, Filme, Fachbücher und eine Handreichung mit Methodentipps enthalten. Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Lehrer*innen, Hortner*innen und Eltern können durch diese Materialien Unterstützung finden, um auf kindgerechte Weise dazu beitragen, dass Kinder ein positives Weltbild fernab von geschlechterstereotypen Zuschreibungen entwickeln.

Herzlich laden wir im Landkreis Saalkreis zur Vorstellung des Koffers und der Materialien am Donnerstag, den 24. Mai 2018 von 9:30 bis 12:30 in die Hochschule Merseburg, im Gartenhaus (Eberhard-Leibnitz-Straße 2) ein.

Nach einer kurzen Begriffserklärung durch die Bildungsreferentin für Geschlechtervielfalt Sarah Brune und einem Fachvortrag von Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß, haben Sie die Möglichkeit, die Inhalte der Koffer zu betrachten und darüber ins Gespräch zu kommen, ob die Materialien eine Relevanz für Ihren Kita- bzw. Grundschulalltag haben könnten und was Sie sich darüber hinaus für diese Themenfelder in ihren Einrichtungen wünschen würden.
Wir würden uns freuen, Sie zu diesem Austausch zu begrüßen zu können, und bitten um eine Anmeldung per Mail: koffer@geschlechtergerechtejugendhilfe.de bis zum Freitag, den 18. Mai 2018.

Prof. Dr. phil. Heinz-Jürgen Voß, Professur für Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung (Hochschule Merseburg)
Drin. phil. Kerstin Schumann, Geschäftsführerin Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V.
Sarah Brune, Referentin für Geschlechtervielfalt in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung, in Grundschulen und Horten (KgKJH)“

Bildungsangebote zu Themen der Sexualität und sexueller Selbstbestimmung als Querschnittsaufgabe im Lehramtsstudium

Aus der Pressemitteilung 110/2018 der Universität Leipzig:

„Angebote zu Themen der Sexualität und sexueller Selbstbestimmung sollen künftig deutlicher in die Ausbildung von Lehrkräften integriert werden. Vor kurzem startete die Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der Hochschule Merseburg ein vom Bund unterstütztes interdisziplinäres Forschungsprojekt mit dem Titel „SeBiLe – Sexuelle Bildung für das Lehramt“. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Vorhaben hat eine Laufzeit von 36 Monaten und gilt als Pilotprojekt in Mitteldeutschland. Ein Ziel des Projekts besteht darin, gemeinsame Curricula für die verschiedenen Phasen der Lehrerbildung zu entwerfen und sich mit ähnlich ausgerichteten Projekten in den anderen Bundesländern zu vernetzen.

Die Universität arbeitet bei diesem Projekt mit Prof. Heinz-Jürgen Voß vom Institut für Angewandte Sexualwissenschaft der Hochschule Merseburg zusammen. Die Kooperation zwischen ihm und Prof. Barbara Drinck entstand durch die gemeinsame Mitgliedschaft in der Gesellschaft für Sexualwissenschaft e.V. (GSW) und die sexualwissenschaftliche Expertise, die die Hochschule Merseburg hat.“

Die komplette Pressemitteilung der Universität Leipzig 110/2018 vom 19.04.2018 finden Sie hier.

„Intergeschlechtlichkeit“ – 14.05.2018 Sächsische Landesärztekammer Dresden

Nach einer Anhörung im Sächsischen Landtag im März 2018 zum Thema ‚Menschenrechte achten und Diskriminierung intergeschlechtlicher Menschen beenden‘ wurde die Sächsische Landesärztekammer vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz gebeten, Fortbildungsveranstaltungen zum Thema ‚Intergeschlechtlichkeit‘ durchzuführen. Inhalte, Referenten und Anmeldung zur ersten Veranstaltung am 14.05.2018 siehe anliegender Flyer. 

(M)Ein Platz im Paulinum – Universität Leipzig

Aufgrund einer zweckgebundenen Spende an die Gesellschaft für Sexualwissenschaft e.V. (GSW) war es möglich eine Stuhlpatenschaft im PAULINUM der Universität Leipzig zu übernehmen, siehe erhaltene Urkunde. Die GSW wurde am 05. Mai 1990 an der Universität Leipzig gegründet. Im Paulinum wird in den nächsten Jahrzehnten neben dem Stuhlschild auch auf der „Tafel der Stifter und Paten“ für alle Besucher sichtbar unser wissenschaftlicher Verein erwähnt.

Weitere Infos zur Stuhlpatenschaft: http://www.uni-leipzig.de/universitaet/informationen-fuer-foerderer/stuhlpatenschaft/unsere-stuhlpaten.html